reflections

Die Jugendzeit hatte es in sich

Ach, die Jugendzeit. Schön? Nö. Nicht immer. Schulstress - ich durfte eine Runde extra fahren. Ich war immer noch fett und verpickelt, aber mit 15 durfte ich endlich einen Freund haben. Er war 19, hatte ein klitzekleines Alkoholproblem und war ein Arsch. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit ihm zusammen gekommen bin, aber nach einem Monat war Schluss. Zu viel Bier (für ihn) und ich sollte ihn ständig oral befriedigen. Zudem hatten wir einige Meinungsverschiedenheiten, was Tiere betraf. Da erzählte ich von unserer Katze, die beim Abendessen auf dem Stuhl saß, ihre Pfötchen auf der Tischkante hatte und fein wartete, bis sie etwas abbekam. Nun gut, vielleicht gehört eine Katze nicht an den Tisch, aber sagte er doch glatt: "Gleich runtertreten und an die Kette mit dem Vieh!" Bitte was? Aber der eigentliche Grund, weshalb dann Schluss war, war eben, dass er schon mit einem Sixpack Bier ankam, zu meinem kleinen Bruder rüber ist und dann erst einmal gesoffen wurde. Dann rotzevoll zu mir kam und schlief. War echt eine tolle Beziehung. Einige Monate später kam ich mit einem Freund meines Bruders zusammen. Meine Güte, sollte ich jetzt endlich mal Glück haben? Nope. Seine Ex machte mir das Leben zur Hölle und nach ein paar Wochen machte er Schluss - wegen ihr. Dann lernte ich meinen "guten Freund", den Alkohol kennen. Man konnte seine Probleme wirklich gut damit vergessen. Grenze? Fehlanzeige. Auf Partys war ich bereits nach einer Stunde so dicht, dass ich schon wieder nach Hause durfte. Rausch ausschlafen. Auch das erste mal einen "Kopf" rauchen. Sagte ich doch früher immer, dass ich nie Drogen nehmen werde. Hat echt gut funktioniert. Mir war alles egal, Hauptsache, ich gehörte irgendwie dazu. Mit 17 - neues Jahr, neue Beziehung. Er war ca. 10 Jahre älter und auch er hatte ein Alkoholproblem, ein verdammt großes. Hinzu kamen Schlägereien. Nein, das war nichts für mich. Kürzeste Beziehung ever: Eine Woche. Ab diesem Zeitpunkt stand für mich fest, dass ich nicht mehr suchen werde, sondern mich finden lassen möchte. Außerdem war da ja noch etwas anderes. Dieses Gefühl, dass nicht nur Männer interessant sind. War ich lesbisch? Eine erneute Achterbahnfahrt der Gefühle stand an, ich muss mich selbst finden. Was will ich? Wo verschlägt es mich hin? Da ich nach der 10. Klasse absolut keinen Plan hatte, was ich beruflich machen wollte, ging ich zunächst zur Berufsschule. Berufsgrundbildungsjahr Maler/in. Klang gut. Und dieses eine Jahr war der Hammer. Sowohl gut, als auch schlecht. Ich lernte neue Leute kennen, hatte endlich ein paar Freunde. Pickel waren auch nicht mehr da. Aber meine Figur hasste ich weiterhin. In diesem Jahr lernte ich meinen jetzigen Exfreund kennen. Und wie das immer so ist, man dachte zuerst, was das für ein Spinner, ja und dann ist man zusammen. Manchmal läuft das Leben komisch. Nun war ich also wieder in einer Beziehung. Und ich war verliebt, sehr sogar. Aber ich benahm mich total mies ihm gegenüber, so dass er nach kurzer Zeit Schluss machte. Oh, ich war so fertig mit der Welt. Ich bekam allerdings eine zweite Chance. Auf meinem Geburtstag. Wir redeten noch einmal und alles war wieder gut. Mehr oder weniger. Er schlief viel bei mir, wir hatten viel Sex und... das war's auch. Kuscheln? Nein. Nette Worte? Nö. Aber ob ihr es glaubt oder nicht, ich nahm ab. Ich lebte nur von Luft und Liebe und nahm tatsächlich ab. Es gab allerdings auch miese Zeiten. Als zwei Mädchen von einer Realschule in den Pausen in unsere Schule kamen (Bekannte von irgendwem), war ich Luft für ihn. Aber das war ja klar. Sie waren noch schlanker als ich, hatten lange Haare und waren einfach hübsch. Ich ging auf die Toilette und heulte mir die Seele aus dem Leib. Es tat weh. Und dann im Sommer. Er war weggezogen und wir sahen uns nur noch selten. Wenn wir telefonierten, brüllte seine Schwester im Hintergrund, dass er von anderen Mädchen Liebesbriefe bekäme. Doch auch so hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. Kurz nach seinem Geburtstag bekam ich eine SMS. Richtig, eine SMS, in der stand, dass er Schluss macht. Ich rief ihn sofort an und fragte, warum. Die angebliche Entfernung und man sieht sich ja nicht so oft. Und bla bla bla. Als ich anfing zu weinen, sagte er nur, dass man jetzt ja eh nicht mehr mit mir reden kann und legte auf. Es war ein Schlag in die Fresse, aber genau mitten rein. Ich denke, da war eine Andere im Spiel. Ich schätze ihn heute noch so ein. Egal. Ich war wieder allein. Die Schule war aus und ich hatte keine Pläne, keine Ausbildungsstelle, keine Perspektive und erst recht keinen Bock mehr. Nach zwei Jahren stand er plötzlich vor meiner Tür. Er sagte, er hätte immer versucht, mich anzurufen (nur, hier kam nie etwas an, obwohl ich immer noch die gleiche Nummer hatte) und er habe die ganze Zeit immer an mich gedacht (dabei war er in diesen zwei Jahren Vater geworden). Ja, passt schon. Dennoch ließ ich mich wieder auf ihn ein. Mir kam es komisch vor und es sollte sich bewahrheiten. Ich nahm zu dieser Zeit keine Pille mehr, wozu auch? Als er Sex wollte, sagte ich ihm dies und er war sauer. Nach einem Monat bekam ich wieder eine tolle SMS. Er macht Schluss, weil es eben irgendwie nicht funktioniert zwischen uns. Aha. Ist klar. Das Maß war voll. Ich wollte nie wieder eine Beziehung. Männer waren für gestorben. Waren eh die größten Idioten, die es gibt. Verarschen, wo sie können. Noch heute bin ich der Meinung, dass Männer nur große Möpse wollen, schlanke Frauen mit langen Haaren und eben richtig dicken Möpsen. Ist einfach so. Ich bekomme es ja oft genug mit. Nun habe ich keine großen Möpse, bin auch nicht schlank und sehe auch sonst nicht sonderlich hübsch aus. Mein restliches Leben stand fest: Ich werde ewig allein bleiben. Und das nur, weil Männer einfach nur scheiße sind. Ich wollte, dass mir nie wieder jemand weh tut. Liebe ist Mist und eine Lüge. Alle, die glücklich sind, sollten verrecken. Wenn ich nicht glücklich sein durfte, sollte es auch kein anderer! Es begann meine Zeit als Single. Eine lange Zeit...

16.4.15 10:06

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